Hallo, mein Name ist Pamela von Pro Choice Austria. Danke an Ni Una Menos, dass ihr die Demo organisiert habt, und danke, dass ich heute hier für unsere Gruppe sprechen darf.

Am Safe Abortion Day, dem Tag für sichere Abtreibung, sind auf der ganzen Welt tausende Aktivist*innen auf den Straßen, so wie wir heute. Denn auf der ganzen Welt muss noch immer für sichere, legale, von der öffentlichen Hand finanzierte Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch gekämpft werden. Noch immer müssen wir darum kämpfen, selbst über unsere Körper zu bestimmen und selbst entscheiden zu können, ob wir schwanger sein und Eltern werden wollen oder nicht. Noch immer meinen der Staat, die Kirche und alle möglichen anderen Leute, sie dürften unsere Körper für ihre Interessen benutzen. Aber auch viele Ärztinnen und Ärzte meinen, sie dürften uns ein medizinisches Routineverfahren, eine Abtreibung, vorenthalten, weil es angeblich ihr „Gewissen“ nicht erlaubt, unsere Wünsche und Rechte zu respektieren.

Denn lasst es mich ganz klar sagen: Es ist ein Menschenrecht, eine ungewollte Schwangerschaft beenden zu können. Das EU-Parlament hat dieses Recht im vergangenen Sommer durch die Annahme des Matic-Reports bekräftigt:

  • Es hat die EU-Mitgliedstaaten explizit aufgefordert, einen allgemeinen Zugang zu sicherer und legaler Abtreibung zu gewährleisten;
  • Es hat sie nachdrücklich aufgefordert, Abtreibungen zu entkriminalisieren und Hindernisse für legale Abtreibungen zu beseitigen und gegen sie vorzugehen,
  • Es hat klargestellt, dass die Staaten dafür verantwortlich sind, dass Frauen Zugang zu den ihnen gesetzlich zustehenden Rechten haben;
  • Und das EU-Parlament hielt fest, dass ein absolutes Verbot von medizinisch betreuten Abtreibungen oder die Verweigerung der Betreuung eines Schwangerschaftsabbruchs eine Form von geschlechtsspezifischer Gewalt ist.

Wir werden diese Rechte einfordern, und wir werden nicht aufhören, gegen diese Gewalt zu kämpfen! Denn Abtreibungsverbote töten – unsichere Abtreibungen sind die dritthäufigste Todesursache von Schwangeren weltweit. Dies sei vor allem den selbsternannten „Lebensschützer*innen ins Stammbuch geschrieben.

Ich stehe hier als weiße bürgerliche Cis-Frau und damit als Angehörige einer privilegierten Gruppe. Aber wenn Abtreibung kriminalisiert ist, teuer ist, nicht sicher ist, dann sind davon ganz besonders Menschen betroffen, die mehrfach diskriminiert werden: Armutsbetroffene, für die die hohen Kosten für eine Abtreibung eine unüberwindliche Hürde darstellen. Leute am Land, wo traditionelle christliche Moralvorstellungen die Betroffenen in ein Schweigen voller Scham und Schande zwingen und wo die Ärzt*innen mit der Lupe gesucht werden müssen, die ungewollt Schwangeren helfen. Queere, inter und trans Personen sind besonders betroffen, Menschen mit Behinderung, illegalisierte und rassifizierte Personen, weil sie alle schon im normalen Alltag kaum die medizinische Versorgung erhalten, die sie brauchen und die ihnen zusteht, und noch viel weniger, wenn sie eine Abtreibung benötigen.

Und deshalb freut es mich so sehr, heute mit euch allen auf die Straße zu gehen. Wir kämpfen Seite an Seite für ein Leben in Würde und Freiheit und Schönheit.

Und ich weiß, dass wir manchmal verzweifeln könnten. Wenn wir nach Polen schauen. Wenn wir nach Texas schauen. Wenn wir sehen, wie wahnsinnig reich und gut vernetzt die fundamentalistischen Kräfte sind, gegen die wir antreten. Das alles ist wahr, und es ist unerträglich. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir diesen Kampf gewinnen werden. Denn Abtreibung ist normal, und wir werden nicht aufhören, darüber zu sprechen.

Die ägyptischstämmige Feministin Mona Eltahawy hat es in ihrem Beitrag zum heutigen Tag für sichere Abtreibung auf den Punkt gebracht. Sie schreibt:

„Ich lehne den Versuch des Staates ab, meinen Uterus zu kontrollieren. Ich lehne seine Macht ab zu sagen, was „legal“ oder „illegal“ ist, wenn es um meine Abtreibungen geht. Der Staat kann sich schleichen mit seinen Meinungen darüber, was ich mit meinem Uterus machen kann und was nicht. Diese Kontrolle gehört mir. Ich wurde nicht vergewaltigt. Ich war nicht krank. Die Schwangerschaften haben mein Leben nicht bedroht. Ich hatte nicht bereits Kinder. Ich wollte einfach nicht schwanger sein. Ich wollte kein Kind haben. Und deshalb hatte ich zwei Abtreibungen. Ich bin froh, dass ich diese Abtreibungen hatte. Sie gaben mir die Freiheit, das Leben zu leben, das ich gewählt habe.“

Das wünsche ich mir, und euch, und uns: Dass wir alle die Leben leben können, die wir gewählt haben.

Vielen Dank!